Gastbeitrag zu einer Panamericana Reise

Wir sind Christoph, Laura und unsere Hündin Molly und reisen in unserem selbst ausgebauten 2007er Ford Transit durch Mittelamerika. Unser Plan ist es einen Teil der Panamericana, von Panama bis Alaska, zu bereisen.

Eine Reise entlang der Panamericana – eine Idee entsteht

Vanlife,- wir waren völlige Neulinge auf dem Gebiet. Noch nie waren wie länger in einem Wohnmobil unterwegs, große Camping-Freunde bis dato auch nicht. Trotzdem waren wir uns sicher, dass eine Reise im Van genau das ist was wir wollen. Der kleine Funke, der das Reisefeuer entfachte, war der Kinofilm Expedition Happiness. Als Christoph eines Abends aus dem Kino nach Hause kam, schlägt er ganz euphorisch vor einen Camper umzubauen und damit die Panamericana zu bereisen. Von uns beiden ist er eher der bedachte Typ. Während ich für wilde Träume und Fantasien zuständig bin, bleibt Christoph auf dem Boden. So war schnell klar, das ist nicht nur ein naives Hirngespinst, wir packen es wirklich an. Ungefähr ein Jahr später wurde aus der Träumerei Realität. 

Van Kauf für die Panamericana Reise

Der erste Schritt zur Umsetzung unseres Traums war der Fahrzeugkauf. Unser Camper „Dan the Van“ kam im Juni 2018 zu uns. Bereits seit mehreren Wochen haben wir Gebrauchtwagenportale durchstöbert und uns bei einigen Händlern und Privatpersonen umgeschaut. Zugegeben, wir hatten wenig Ahnung wonach wir suchen sollten. Welche Kriterien sind beim Van Kauf wichtig? Wir wollten einen Campervan mit Stehhöhe, außerdem soll er möglichst groß und günstig sein und der Zustand nicht allzu schlecht.

Weil wir alles für ein Jahr auf Reisen ausgelegt haben war unser Budget für den Autokauf sowie den anschließenden Van Ausbau sehr knapp. Als wir bei einem kleinen Autohändler unseren Dan besichtigt haben, sprach einfach nichts gegen ihn. Preis und Zustand waren okay, der Händler kompromissbereit sowie die Maße für unsere Zwecke optimal.

Eckdaten zum Ford Transit

Hersteller: Ford

Modell: Transit

Baujahr: 2007

Sitzplätze: Original: 6, Jetzt: 3

Gesamtgewicht: 3,5 Tonnen

Kilometerstand: 331.000 Km

Hubraum: 2,4 Liter

Leistung: 140 PS

Verbrauch auf 100km: 11,5 Liter

Führerscheinklasse: B

Höchstgeschwindigkeit: 146 Km/h

Kraftstoff: Diesel

Preis: 6.000 €

Van Ausbau für die Panamericana Reise

Klar, unser Dan ist kein langfristiges Reisemobil. Er ist alt, hat ein paar Roststellen und Dellen, ist schon viel gereist und ist technisch nicht im allerbesten Zustand. Allerdings haben wir nur mit einer Reisedauer von ca. einem Jahr für unsere Route von Panama nach Alaska gerechnet.

Unseren Campervan Ausbau haben wir ebenfalls auf die bevorstehende Reise abgestimmt. Zweckmäßig, mit viel Stauraum, wenig Budget aber dafür viel Kreativität und Spaß bei der Sache. Unsere Devise: Für ein Jahr wird schon alles funktionieren. Was im Anschluss nach unserer Reise mit unserem Camper passieren soll haben wir uns offen gelassen. Wie falsch wir mit fast all unseren Annahmen lagen zeigte sich ca. ein dreiviertel Jahr nach unserem Reisebeginn in El Salvador.    

Die Reise entlang der Panamericana beginnt

Unsere Reise beginnt im Oktober 2019. Unseren Dan haben wir in einem Container nach Panama verschifft und fliegen nun hinterher, um ihn dort in Empfang zu nehmen. Wer mehr über die Verschiffung, deren Kosten und die Abwicklung wissen möchte, findet dazu ausführliche Beiträge auf unserem Reiseblog. Von Panama fuhren wir durch Costa Rica, Nicaragua, Honduras und El Salvador. Jedes Land hatte für uns seinen ganz besonderen Reiz und überall haben wir ganz einmalige Eindrücke gesammelt.

In Panama war für uns alles noch ganz neu und wir genossen die Freiheit. Kreuz und quer fuhren wir durch das Land und kamen erstmal richtig im Camper-Leben an. Costa Rica war für uns das Land der traumhaften Strände. Wir konnten Wochen am Strand und in den Wellen verbringen, kleine Schildkröten ins Meer begleiten und die schönsten Sternenhimmel sehen. Außerdem haben wir für über einen Monat gegen Kost und Logis in einer deutschen Bäckerei gearbeitet, die für uns ein zu Hause mit vielen neuen Freunden wurde. Vulkane, Regen- und Nebelwald, heiße Quellen und Strände,- Costa Rica hat wirklich so viel zu bieten und wir konnten all diese Attraktionen in 3 Monaten richtig auskosten.

Nicaragua wurde für uns zum Land der Vulkane. Wir konnten den aktiven Vulkan Masaya erleben, von dem nicht mehr aktiven Vulkan Cerro Negro rodeln und am Fuße des Mombotombo campen. Honduras haben wir zugegebener Maßen im Eiltempo durchfahren. Wir haben uns in keiner brenzligen Situation wiedergefunden, allerdings hat sich ein längerer Aufenthalt für uns einfach nicht gut angefühlt. Beeindruckt waren wir trotzdem von der ersten Mayastätte unserer Reise, den Ruinen von Copan und von dem schönen See Lago de Yojoa. Da wir nicht recht wussten was wir von El Salvador zu erwarten hatten, haben wir für dieses kleine Land nicht mehr als 2 Wochen Aufenthalt eingeplant. So verlebten wir eine herrliche Zeit am Meer, übernachteten in einem Vulkankrater, besichtigten die Hauptstadt, wanderten auf einen Vulkan und aßen die besten Pupusas des Landes. Wir waren überrascht von der Vielfalt, die uns hier begegnete und waren nach all diesen Erlebnissen bereit weiter zu reisen.

Die Grenzen werden geschlossen

Am Abend vor unserer geplanten Ausreise saßen wir Pasta schlemmend und den Sonnenuntergang genießend vor unserem Van, als eine Nachricht von anderen Reisenden rein flatterte, die für einen flauen Magen sorgte. Die Grenzen Mittelamerikas sollen wegen der schnellen Ausbreitung des Coronavirus schließen. Der Schock war groß und unsere Unruhe wuchs.

Eine Nacht wollten wir noch auf einer Farm in Grenznähe verbringen, Wäsche waschen und alles vorbereiten um am nächsten Morgen zur Grenze aufzubrechen. Leider kamen wir genau einen Tag zu spät und die Grenze zu Guatemala wurde auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das erste Mal in unserem Leben standen wir vor verschlossenen Grenzen.

1.000 Fragen schwirrten uns durch den Kopf. Was bedeutet das jetzt? Wie lange müssen wir bleiben? Wie gefährlich wird das alles? Und wohin gehen wir jetzt?

Wir hatten riesiges Glück im Unglück und fanden auf einer Farm einen Zufluchtsort. Ein zu Hause für eine sehr viel längere Zeit, als zunächst angenommen.

Seit dem Lockdown in El Salvador reisen Christoph und Laura mit ihrer Hündin Molly zu dritt weiter

Der Lockdown in El Salvador beginnt

Was nun folgt sind neun Monate Aufenthalt in El Salvador. Das klingt unglaublich lang. Doch in dieser ungewissen Zeit, in der teilweise die ganze Welt stillzustehen schien, niemand wirklich reisen konnte oder wollte und vieles unsicher schien haben wir unser Zeitgefühl verloren. Wir erlebten einen harten Lockdown in El Salvador, der ca. 6 Monate anhielt. Während dieser Zeit haben wir die Farm nur verlassen um Lebensmittel einzukaufen. Unser fahrendes zu Hause wurde zum Dauercamper und wir zu Meistern der Zeitverschwendung. Wir haben Spiele gespielt, gebacken und gekocht, waren auf der Farm spazieren und haben Früchte geerntet. Wir haben Sport getrieben, begonnen einen Blog zu schreiben, sind Teil eines Hunderudels geworden, haben viel gelesen und uns unterhalten.

Der Lockdown endete und wir genossen die kleinen Freuden umso mehr. Mal wieder Eis essen gehen oder durch den Park spazieren waren auf einmal große Privilegien. Als die Grenzen endlich wieder öffneten, ist bereits September.

Lockdown Ende nach 6 Monaten

Was wir nun erlebten ist eine Verkettung unglücklicher und fast unglaubwürdiger Umstande, die dafür sorgt, dass wir auch 3 Monate nach Grenzöffnung noch immer in El Salvador waren. Ich mache es kurz, wir haben:

  1. Auf ein Paket aus Deutschland gewartet
  2. Einen Corona Test gemacht, der bei Grenzübertritt vorgeschrieben ist
  3. Ein positives Testergebnis erhalten
  4. Zwei Wochen Quarantäne absolviert
  5. Unseren Van nach einem Defekt reparieren lassen
  6. Unsere Aufenthaltsgenehmigung verlängert, da sie fast abgelaufen war
  7. Einen erneuten Corona Test gemacht (negativ!)
  8. Doch noch die späte Zusage für den Kauf unseres Hundes erhalten
  9. Die Papiere für unseren Hund vorbereitet (Impfungen und Gesundheitszeugnis)
  10. Einen erneuten Corona Test gemacht (negativ!)
  11. An der Grenze zu Guatemala mit einem defekten Auto liegen geblieben
  12. Noch immer warten und hoffen wir auf die Reparatur unseres Campers

Fast ist es, als sollten wir El Salvador einfach nicht verlassen, doch langsam ging uns die Geduld aus. Mit einem Jahr Reisedauer haben wir gerechnet, mittlerweile sind wir seit fast 1,5 Jahren unterwegs. Von Panama nach Alaska wollten wir reisen und nur ein winziges Stück der geplanten Route haben wir bisher bewältigt.

Trotz all der Widrigkeiten, die wir hier erlebt haben, hat sich in jeder noch so ausweglos erscheinenden Situation für uns ein neuer Weg ergeben. Immer hatten wir das Glück auf hilfsbereite Menschen zu treffen, die uns bei sich aufnehmen. Viele Annahmen vom Reisebeginn und von in Deutschland geschmiedeten Pläne haben wir über Board geworfen. Anfangs noch unsicher, später mit einem immer größeren Gefühl von Freiheit.

Die Reise entlang der Panamericana geht weiter

Das Jahr 2021 startete für uns mit einer Entscheidung. Die Entscheidung neue Wege zu gehen und eine Weiterreise zu wagen, vorerst ohne unseren Dan. Wir wissen ihn in einer Werkstatt in El Salvador in guten Händen, die weiterhin versuchen seinen Motor wieder zum Laufen zu bringen. Uns steht ein kurzer aber aufregender Aufenthalt in Guatemala bevor. Eine Vulkanbesteigung, die Besichtigung der schönen Kolonialstadt Antigua und Ausspannen am malerischen Lago Atitlan.  

Gerade sind wir in Mexiko angekommen und planen unsere weitere Reise. Wir vermissen das mobil sein, selbstbestimmt zu reisen. So angenehm die Nächte in Hostels oder Airbnbs auch sein mögen, uns fehlt es in der Natur einzuschlafen und aufzuwachen, länger zu bleiben wenn es uns gefällt oder einfach weiterzufahren, wenn wir nicht zufrieden sind.

Vielleicht beginnt also bald eine ganz neue Reise, im Geländewagen durch Mexiko?

Wenn ihr Christoph und Laura folgen wollt, dann dann schaut doch mal auf ihrem Blog, bei Facebook und bei Instagram vorbei.

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