Es gibt verschiedene Möglichkeiten ein Bett und eine Sitzecke im Camper zu bauen. Manche bauen nur ein einzelnes Bett ein und keine extra Sitzmöglichkeit, andere wiederum verbauen ein Querbett und wieder andere ein Längsbett. Es gibt unendlich viele verschiedene Möglichkeiten und Anordnungen, was einen Selbstausbau eben so individuell macht. Wir zeigen dir in diesem Beitrag, welche Vor- und Nachteile die jeweiligen Möglichkeiten haben und für welche Variante wir uns entschieden haben.

Möglichkeiten für Bett & Sitzecke im Camper

Der Fiat Ducato ist breiter gebaut als unser Mercedes Sprinter, weswegen sich viele Ausbauer für ein Querbett entscheiden. Wir haben lange überlegt, ob wir uns bei unserem neuen Van Ausbau für ein Querbett oder für ein Längsbett entscheiden sollen und welche Vorteile die jeweilige Konfiguration bietet.

Während unserer Weltreise hatten wir schon sechs verschiedene Camper und haben somit schon viele verschiedene Möglichkeiten ausprobiert.

In Australien hatten wir in unseren ersten beiden Autos ein festes Längsbett verbaut, darunter war etwas Platz für Stauraum. Die Autos waren so klein, dass man auf der Matratze nicht sitzen konnte und eine Sitzmöglichkeit gab es dementsprechend nur draußen auf den Campingstühlen oder auf den Fahrersitzen. Wenn jemand nachts raus wollte, musste er immer über den anderen rüberklettern, wodurch die Person zwangsweise immer wach wurde.

In Neuseeland hatten wir ein Längsbett, welches zu zwei Sitzen und einem Tisch umgebaut werden konnte. Das Bett haben wir täglich komplett auf- und abbauen müssen und auch unsere Bettwäsche mussten wir wo verstauen. Außerdem war das Bett in diesem Auto mit ca 1,20 Meter Breite ziemlich schmal. Dafür hatten wir in einem verhältnismäßig kleinen Auto eine tolle und gemütliche Sitzecke, was für uns damals purer Luxus war!

Im dritten Van in Australien war wieder ein Längsbett verbaut und vor dem Bett war diesmal noch Platz für Schränke. Eine Sitzmöglichkeit gab es nicht. Meistens waren wir sowieso draußen und wenn es geregnet hat, es windig war oder Mücken unterwegs waren haben wir einfach auf dem Bett und dem kleinen Hocker gesessen.

In unserem Mercedes Sprinter haben wir ein Längsbett eingebaut, welches zu einer Sitzecke umgebaut werden kann. Die Bettdecken konnten wir dann einfach auf dem fest verbauten Teil lagern und hatten so nun viel Platz zum sitzen und auch zum schlafen. Allerdings muss dafür das Bett immer umgebaut werden, was aber mit dem hochwertigen Hubtischgestell eigentlich auch nicht sonderlich viel Arbeit ist – in 2 Minuten ist es erledigt.

Vorteile Längsbett

VorteileNachteile
Bett ist für beide einfach erreichbar - kein übereinander kletternwenn ohne Sitzecke kombiniert hoher Platzverbrauch
viel Platz zum Schlafen & Sitzenmuss zur Sitzecke umgebaut werden
wenn richtig gebaut platzsparend
einfach zu parken wenn man etwas schief steht (wir schlafen lieber 'bergauf' als quer schief)

Vorteile Querbett

VorteileNachteile
muss nicht umgebaut werdennur ein Platz im Bett ist leicht erreichbar, der außen schlafende muss immer über den anderen klettern
ohne Sitzecke platzsparendnicht für große Personen geeignet
einfacher zu bauenweniger Platz zum Schlafen
viel Stauraum unter dem Bett

Einkaufsliste für Bett & Sitzecke  im Camper

  • Hubtischgestell*
  • 24x48mm Unterkonstruktionslatten
  • 12mm Multiplex Birke als Bettplatten
  • 15mm Multiplex Birke als Boden für das Podest
  • Tauchsäge, Handsäge
  • 2 x Klavierband
  • 2 x Dämpfer*
  • Schubladenschiene*
  • Holz für die Schublade (10mm Pappelsperrholz)
  • Holz für die Verkleidung (6mm Pappelsperrholz)
  • M6 x30mm Schrauben, M6 Hutmuttern und Unterlegscheiben um den Hubtisch zu befestigen
  • 10mm Möbelschrauben*
  • Akkubohrer
  • Lochsäge
  • Leimholzplatte als Tischplatte
  • Matratze und Polster

Welche Maße soll unser Bett haben?

Es gibt einige Kriterien, welche die Höhe, Breite und Länge unseres Bettes und der Sitzecke bestimmen werden. Da wir später noch Hängeschränke anbringen möchten, muss das Bett so niedrig sein, dass man noch darauf sitzen kann, ohne sich mit dem Kopf am Hängeschrank zu stoßen.

Wir überlegen also, wie tief unsere Hängeschränke werden, rechnen noch etwas Sicherheitsabstand ein (man möchte mit dem Kopf ja auch nicht 2cm unter dem Schrank sitzen) und kommen so auf eine Höhe von Betthöhe von 50cm. Darauf kommt dann noch eine 10cm dicke Matratze. Durch unser recht niedriges Bett verlieren wir zwar Stauraum unter dem Bett, aber haben leichter erreichbaren Stauraum in Form von Hängeschränken. Bei unserem Sprinter haben wir gemerkt, dass man so viel Stauraum in der Höhe unter dem Bett nicht benötigt und haben uns gewünscht, dafür mehr Hängeschränke und ein etwas niedrigeres Bett zu haben.

Grundriss Planung für das Bett

Unser Längsbett wird also die folgenden Maße haben:

  • Höhe von 50cm + 10cm Matratze = 60cm Gesamthöhe
  • Fest verbautes Bett wird 1,10 Meter
  • Sitzbänke werden 0,60 Meter breit und 0,70 Meter lang
  • Der Tisch wird 0,60 Meter breit und 0,70 Meter lang
  • Gesamtbreite von 1,83 Meter
  • Gesamtlänge von 1,80 Meter

Unser Bett wird also durch die Breite vom Ducato recht quadratisch und theoretisch können wir sowohl längs als auch quer schlafen.

Als erstes benötigen wir beim Camper Bett nun erst einmal ein Gerüst. Bevor wir mit dem bauen anfangen, legen wir einige der Komponenten in unser Auto, wie zb den 126 Liter großen Frischwassertank*. Dieser soll sich nämlich unter dem fest verbauten Teil vom Bett befinden und muss in der Planung unbedingt berücksichtigt werden.

Anleitung zum Camper Bett & Sitzecke selber bauen

Bettgerüst bauen

Mit 24x48mm starken Unterkonstruktionslatten fangen wir an unser Gerüst zu bauen. Lange haben wir überlegt, welche Holzlatten wir für unser Bettgerüst nehmen sollen. Beim Sprinter haben wir mit 35x45mm Holzlatten gearbeitet und hatten ein sehr massives Bett. Nun dachten wir uns, dass es mit etwas dünneren Holzlatten ja ebenso funktionieren sollte.

Mit einer Kappsäge oder einer einfachen Handsäge sägen wir die Holzbalken zurecht. Zuerst bauen wir die Stützen und verbinden diese mit weiteren Holzbalken, welche auf den Stützen sitzen.

Nach und nach entsteht so ein Viereck- unser fest verbautes Bett. Später werden wir noch mehr Quer- und Längsverbindungen hinzufügen, die unserem Bett noch mehr Stabilität verleihen werden.

Sitzbänke bauen

Unsere Sitzbänke sollen eine Länge von 0,70 Meter haben. In der Mitte möchten wir einen Tisch, welcher mittels eines Hubtischgestells eingefahren zum Bett wird oder hochgefahren für unsere Sitzecke. Die Leimholzplatte aus Eiche hat ein Maß von 0,60 x 0,80 Meter. Somit werden die 0,60 Meter die Breite von unserem Tisch und wir werden sie noch 10cm kürzen, so dass wir auf ein Maß von 0,70 Meter kommen. Daraus resultierend werden beide Sitzbänke eine Breite von 0,60 Meter haben und unser Tisch wird ebenfalls eine Breite von 0,60 Meter haben. Manche verwenden auch ein schwenkbares Tischgestell, wie zb das von Lagun. Allerdings waren wir uns nicht ganz sicher, ob es wirklich stabil genug ist und sich auch als Liegefläche eignet. Deswegen haben wir uns wieder für das Ilse Hubtischgestell* entschieden, welches wir auch in unseren Sprinter eingebaut haben. Unsere Sitzbänke bauen wir genauso wie den Bettkasten.

Lattenrost

Als Lattenrost und Auflagefläche für unser Bett sowie die Sitzecke nehmen wir Sperrholzplatten aus Birke Multiplex. Pappelholz erscheint uns als nicht stabil genug, da das Holz weicher ist und weniger Leimschichten hat.

Eigentlich wollten wir 12mm starke Birke Multiplex Platten verwenden, doch da es diese nicht gibt entscheiden wir uns für eine Stärke von 9mm. Erst erscheinen sie uns etwas dünn, aber sie sind viel stabiler als wir dachten. Deutlich stabiler als Pappelsperrholz. Wir sägen die Platten für unser Bett und für die Sitzecke auf die richtige Größe zu.

Klappen

Unter unseren Sitzbänken möchten wir leicht zugänglichen Stauraum haben. Um das Klavierband zu befestigen sägen wir von der langen Seite unserer Birke Mulktiplex Platte einige cm ab, schrauben das in unsere Unterkonstruktion und befestigen dann daran sowie an der großen Platte das Klavierband.

Damit die Klappen auch oben bleiben befestigen wir jeweils noch einen Dämpfer. Eigentlich waren sie in unserem Sprinter mal für die Hängeschränke gedacht. Jetzt hatten wir sie aber übrig und auch bei unseren Bettklappen machen sie einen guten Dienst.

Die Klappen von unseren Sitzbänken

Fronten verkleiden & Auflagefläche für Tisch

Mit 6mm Pappelsperrholz verkleiden wir die Fronten von unserer Sitzecke und befestigen es an unserem Bettgerüst. Damit der Hubtisch stabil wird benötigt er eine gute Auflagefläche. Dazu befestigen wir dünne Holzlatten aus dem Baumarkt an der richtigen Position, wo der Tisch im eingefahrenen Zustand draufliegen wird. Es ist wichtig, dass die Holzlatten an der exakten Position sind, anderseits wird der Tisch nicht gerade aufliegen.

Löcher für die Durchlüftung bohren

Damit unsere Matratze auch von unten gut belüftet wird, bohren wir mit einer Lochsäge in regelmäßigen Abständen Löcher in unsere Birke Multiplex Platten. Vorher messen wir noch aus, wie viele Löcher wir pro Platte bohren können und nutzen dann teilweise einen größeren oder kleineren Durchmesser.

Die Löcher anzufertigen macht viel Arbeit, aber es wird sich auf jeden Fall lohnen. In unserem Van in Australien hatten wir schon mal etwas Schimmel unter einer Matratze, denn dort gab es keine Löcher zur Belüftung.

Podest bauen

Der Hubtisch ist zwar höhenverstellbar, muss aber in der eingefahrenen Position immer unten einmal einrasten, bevor man ihn dann verankern kann. Deswegen müssen wir genau ausmessen, wie hoch unser Podest werden soll. Aus 24x48mm Holzlatten bauen wir unser Gerüst für das Podest. Darauf kommt dann eine 15mm starke Birke Multiplex Platte. Anschließend befestigen wir unsere Tischplatte auf unserem Tischgestell und richten sie aus. Unser Podest hat eine Höhe von 13cm.

Schublade bauen

Als nächstes geht es mit der Schublade weiter. Um den Stauraum optimal zu nutzen möchten wir unter dem Podest eine Schublade haben. Dazu bauen wir einen Schubladenkasten und mittels einer Schubladenschiene setzen wir die Schublade unter unser Podest. Das ist eine ziemlich fummelige Arbeit, doch irgendwann sitzt die Schublade. Dank der push-to-open-Funktion sollte die Schublade beim Fahren auch zu bleiben.

Nachdem wir die Schublade fertig gebaut haben, streichen wir noch unsere Seitenwände weiß und dann können wir alles wieder einsetzen. Wir verschrauben unsere Bodenplatte in unser Gerüst vom Podest und verlegen den PVC Boden mittels Verlegeband auf der Platte. Als nächstes richten wir den Hubtisch aus und verschrauben ihn mittels Muttern und Unterlegscheiben in unseren Boden. Von unten kontern wir dagegen.

Anschließend behandeln wir die Tischplatte noch mit Arbeitsplattenöl und dann ist unser Bett und unsere Sitzecke im Camper auch fast fertig!

Matratze und Polster für das Camper Bett

Was uns jetzt noch fehlt ist eine geeignete Matratze sowie Polster für unsere Sitzbänke. Bei unserem Sprinter haben wir eine Kaltschaummatratze selber zugeschnitten und auch die Bezüge selber genäht. Das spart viel Geld, macht aber auch echt viel Arbeit und ist nicht ganz einfach. Besonders, wenn man keine Nähmaschine hat. Den Ärger sparen wir uns diesmal und möchten uns lieber hochwertigen Schaumstoff anfertigen lassen.

Die Maße von unserem Bett

Außerdem ist es auch schwierig eine Matratze in unseren Maßen zu finden, die nicht so hoch ist. Die meisten Matratzen sind 16cm hoch oder höher. Weil wir aber auch darauf sitzen werden, möchten wir nicht wieder so eine hohe Matratze. Wir bevorzugen eine 10cm hohe Matratze, die dafür aber fester ist und ein höheres Volumen an Schaumstoff hat. Wir haben lange überlegt und recherchiert, wo wir unsere Polster anfertigen lassen sollen. Gelandet sind wir bei dem Hersteller Schaumstoff nach Maß.

Wir haben uns per Email beraten lassen und uns Stoffproben zuschicken lassen. Geworden ist es ein schönes türkis und ein insgesamt 10cm hoher Schaumstoff, wovon 4cm ein Material ist, welches den Komfort beim Schlafen noch erhöhen sollen.

Fazit zum Bett und zu der Sitzecke im Camper

Wir sind mit unserer Bett-Sitzecke Variante richtig zufrieden! Tagsüber haben wir eine bequeme Sitzecke, die für uns beide groß genug ist. Unter unserem Bett ist genug Stauraum und über den Köpfen ist noch genug Platz um dort Hängeschränke anzubringen.

Unser Bett kann innerhalb von kurzer Zeit zu einer Sitzecke umgebaut werden und unsere Bettdecken können wir auf dem hinteren verbauten Teil liegen lassen. Uns persönlich ist es wichtig, dass wir nicht täglich unser Bett neu beziehen müssen und auch die Bettwäsche wo verstauen müssen. So können wir das Bettlaken ganz einfach über die Sitzpolster ziehen und der Rest bleibt so wie es ist. Hinten ist noch genug Platz, so dass man jederzeit im Bett liegen kann, wenn der andere vorne am Tisch sitzt.

4 Comments

  1. Hi,

    Kurze Frage habt ihr bei dem Ilse Gestell genau das verlinkte verbaut?
    Sehe auf den Bildern gerade dass das Fußteil am Podest verschraubt ist?

    Bin gerade am schauen welches Gestell ich nehme.

    • Imke Liebau Reply

      Hey,
      wir haben tatsächlich das falsche Hubgestell verlinkt, danke für den Hinweis.
      Wir haben sofort nochmal in unseren Bestellungen nachgeschaut und im Beitrag den richtigen Link eingesetzt.
      Wir haben dieses Hubtischgestell: https://tidd.ly/2Mvl1Ve

      Liebe Grüße, Tobi & Imke

  2. Thorsten Witt Reply

    Hallo,

    wir wollen uns einen Sprinter ausbauen. Da wir sehr groß sind, wird es ein Längsbett und Eure
    Kombi aus Festteil und Sitzbank gefällt uns sehr.
    Habt Ihr das Holz behandelt (z.B. mit Wachs o.ä.) oder ist das eher nicht nötig? Der Aufwand dafür ist ja zeitlich eine Spaßbremse…

    Wir werden den Sprinter eher für kürzere Urlaubstrips nutzen.
    Danke für Eure Hilfe

    • Imke Liebau Reply

      Hallo Thorsten,
      wir haben das Holz von unserem Bett nicht behandelt. Erst hatten wir überlegt ob wir das Pappelsperrholz (die Auflagefläche von der Matratze) mit Hartwachsöl behandeln sollen, aber haben es dann doch nicht gemacht. So kann das Holz gut atmen und eventuelle Feuchtigkeit kann das Holz aufnehmen und auch wieder abgeben. Damit die Matratze auch ausreichend belüftet wird haben wir ja sehr viele Löcher gebohrt. Das Unterkonstruktionsholz haben wir ebenfalls nicht behandelt und einfach so gelassen. Ob das die beste Lösung ist wissen wir nicht, frag am besten nochmal wo anders nach! 🙂

      Das einzige was wir in unserem Auto behandelt haben ist die Decken- und Wandverkleidung sowie unsere Küchenmöbel (Schranktüren, Schrankwände, Arbeitsplatten etc) sowie die Innenverkleidung von der Sitzecke und die Holzverkleidung an den Türen.
      Liebe Grüße und viel Erfolg,
      Tobi & Imke

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