Die Wohnmobil Elektrik zu planen ist ein komplexes Thema und wenn man kein Fachmann ist, sollte man seinen Aufbau lieber von einer qualifizierten Person abnehmen lassen. Doch wie geht man die Planung der Elektrik im Campervan überhaupt an?

Es ist wichtig im Voraus gut abzuschätzen, wie hoch der Stromverbrauch sein wird und demnach die richtige Ausstattung zu wählen und zu verbauen. Jeder braucht unterschiedlich viel Strom für seine individuellen Bedürfnisse. Manche benötigen beispielsweise gar keinen Kühlschrank und möchten nur das Handy laden, andere haben einen Kompressorkühlschrank und laden regelmäßig Laptops und Kameraakkus. Zuerst solltest du dir also die Fragen stellen:

was möchtest du im Van überhaupt machen und was ist dir wichtig? Wie lange möchtest du austark stehen? Welche elektrischen Geräte möchtest du in deinem Van betreiben? Gehst du regelmäßig auf einen Campingplatz und möchtest dort deinen Camper an den Strom anschließen?

Unsere zwei Solarzellen

Planung der Wohnmobil Elektrik

Da dieser Van Ausbau mittlerweile schon unser sechster Campervan ist, haben wir bereits vieles ausgetestet. In unserem ersten Van in Australien hatten wir anfangs weder eine zweite Batterie noch eine Solarplatte und haben nur unsere Handys während der Fahrt geladen. Um unsere Laptops oder Kamera Akkus zu laden mussten wir eine Bibliothek aufsuchen,- ziemlich aufwendig. Einen Kühlschrank hatten wir nicht, dafür nur eine kleine Kühlbox, die man mit Eis füllen musste. Nach einem Tag stand in der Kühlbox dann immer das Wasser. Das hört sich nicht nur umständlich an, es war auch total unpraktisch und kompliziert und nach einer Woche haben wir dann lieber auf die Kühlbox verzichtet.

In unserem nächsten Van in Neuseeland hatten wir eine zweite Batterie und eine kleine Solaranlage, womit wir sogar einen kleinen Kompressorühlschrank betreiben konnten. Mit dem Spannungswandler konnten wir außerdem unsere Laptops laden,- das war für uns richtiger Luxus.

Während unserer fünfjährigen Weltreise hatten wir insgesamt fünf verschiedene Campervans und wussten bei unserem jetzigen Van Ausbau genau, welche Elektrik wir in unserem Sprinter verbauen möchten.

Wie viel Strom benötige ich im Camper?

Um diese Frage zu beantworten wird die Leistung der Geräte addiert und bestimmt, wie oft sie im Durchschnitt verwendet werden.

Wir ermittelten also unseren Tagesbedarf an Strom, in dem wir die Stromaufnahme aller Verbraucher herausgesucht haben. Dazu zählt der Kompressorkühlschrank, die Leuchten, die Wasserpumoe oder unsere Diesel Standheizung. Die Nutzungsdauer in Stunden pro Tag ist dabei auch zu berücksichtigen.

Eine unserer LED Deckenleuchten hat eine Leistung (P) von 3W. Die Spannung (U) beträgt in unserem Fall 12V. Der gesuchte Strom (I) wird gesucht.

P = U x I  ->  I = P / U

Unsere Deckenleuchte hat also eine Stromaufnahme von 0,25A pro Stück. Insgesamt haben wir sechs dieser Leuchten verbaut, zusammengerechnet ergibt das also 1,5A. Lässt man alle Leuchten zusammen nun eine ganze Stunde laufen, verbrauchen wir also 1,5Ah. Demnach könnten wir die Leuchten mit einer 100Ah Batterie, wovon wir 50Ah nutzen können, rund 33 Stunden lang betreiben.

Mit diesem Schema kannst du nun deinen gesamten Strombedarf errechnen. Berücksichtige dabei die tatsächliche Nutzung deiner Verbraucher. Die Wasserpumpe läuft am Tag wahrscheinlich nur 15 Minuten, also 0,25 Stunden. Ein Kompressorkühlschrank kühlt aktiv auch nur ein Viertel der Zeit, also rechnerisch 6 Stunden am Tag.

Hast du nun deinen Stromberdarf errechnet, kannst du dir überlegen, wie viele Tage du autark stehen möchtest. Das heißt, ohne deine Batterien aktiv nachladen zu müssen. Liegt dein gesamter Strombedarf bei rund 30Ah am Tag, würdest du mit einer 100Ah Batterien schon einmal zwei Tage hin kommen.

Einen Kühlschrank mit einem kleinen Gefrierfach betreiben zu können ist uns sehr wichtig

Kosten der Elektrik im Wohnmobil

Mit der Auswahl der benötigten Komponenten sollte man sich natürlich auch ein Budget setzen. Denn nach oben hin sind selten Grenzen gesetzt und so kann eine Lithium-(LiFePo4) Batterie locker mal um die 1000€ kosten. Kommen dann noch hochwertige Solarzellen und ein Kompressorkühlschrank hinzu, kann sich die Summe schnell verdreifachen.

Für uns war es schon immer wichtig, im Van mit dem Laptop arbeiten zu können, dazu möchten wir noch regelmäßig unsere Handys laden und ein Kühlschrank darf mittlerweile auch nicht mehr fehlen. Es gibt doch nichts schöneres, als eine kalte Cola zu trinken oder ein leckeres Eis zu essen. 🙂 Natürlich möchte man auch Licht im Van haben und eine elektrische Wasserpumpe, um einen Wasserhahn zu betreiben.

Für die Elektrik in unserem Wohnmobil haben wir also folgende Komponenten und Bauteile verbaut:

Kabel 1,5mm²FLRY rot 60m24€Fahrzeugkabel.de
Kabel 1,5mm²FLRY schwarz 60m24€Fahrzeugkabel.de
Kabel 6mm², 10mm²FLRY rot 25m60€Fahrzeugkabel.de
Kabel 6mm², 10 mm²FLRY schwarz 20m50€Fahrzeugkabel.de
Kabel 25mm²H07VK 1m rot5€Amazon
PE KabelH07VK 1m grün/gelb1,85 €Bauhaus
SicherungshalterSicherungshalter Mictuning 12 Fach Halter23 €Amazon*
SicherungshalterStandart 3 Stück6€Amazon*
DeckenleuchteAmbother 2 mal LED hell weiß22 €Amazon*
FlexrohrEN20 20 Meter9€Bauhaus
Kabelkanal2 Meter4€Bauhaus
Midi Sicherung5 mal je 30A,40A, 50A20€Amazon*
Batterietrennschalter12V17€Amazon*
Kabelverbinder Set1200 Stück16€Amazon*
Kabelschuhe Set6mm²17€Amazon*
KabelverbinderWAGO 221-41313,50€Amazon*
KabelschellenP-Clip Nylon14€Amazon*
Solarzellen2 mal ECTIVE MSP 160 Mono288€Ective
SolarreglerEctive DSC 25 MPPT94€Ective
SolarmonitorSM147€Ective
2 x VersorgungsbatterienECTIVE DC 100 AGM Deep Cycle340€Ective
TemperatursensorFür AGM Batterien8,50€Ective
Solar DachdurchführungOffgridtech Einfach leicht9,90€Amazon*
BatterieklemmenSchnellklemmen 4 Stück17€Amazon*
12V USB SteckerQC3.0 blau 2 Stück33€Amazon*
LadeboosterVotronic 1212-30161,20€Amazon*
SpannungswandlerEdecoa 1500W Reiner Sinus170€Ebay
1508€

Für die reine Elektrik in unserem Wohnmobil haben wir 1508€ ausgegeben. Die grundlegenden Komponenten dabei waren:

Während unseres Van Ausbaus haben wir alle Kosten in einer großen Teileliste festgehalten. Dort haben wir wirklich ALLES eingetragen, von der Tankhalterung bis hin zu unserer Dieselstandheizung ist alles dabei. Du kannst sie dir hier kostenlos runterladen.

Teileliste hier runterladen 

Elektrik im Wohnmobil: welche Batterie ist die richtige für mich?

Bei der Auswahl der richtigen Versorgerbatterie kommt es wie immer zuerst auf das Budget an. Grundsätzlich wird zwischen vier Arten von Batterien unterschieden. Natürlich bringt jede von ihnen individuelle Vor- und Nachteile mit sich.

Gel Batterien

Gel Batterien sind meist wartungsfrei und eignen sich gut für eine kontinuierliche Stromabgabe über eine lange Zeit. Sie vertragen es auch mal tiefentladen zu werden. Kurzfristig hohe Ströme können sie hingegen nur sehr schlecht abgeben, daher eignet sich die Gel Batterie nicht so gut für den Betrieb eines Spannungswandlers.

AGM Batterien

AGM (Absorbent Glass Mat) beinhalten ein spezielles Glasvlies, welche die Säure absorbiert und für hohe Zyklenfestigkeit sorgt. Daher werden diese Batterien häufig auch Deep Cycle Batterien genannt. Im alltäglichen Betrieb sollte eine AGM Batterie nie weiter als 50 – 60% entleert werden. Von einer 100Ah Batterie können also 50 – 60Ah genutzt werden. AGM Batterien punkten mit einer hohen Lebensdauer und sind wartungsfrei.

Wir haben uns für zwei AGM Batterien entschieden

 

LiFePo4 Batterien

Lithium Batterien als Versorgerbatterien sind relativ neu und haben daher noch einen sehr hohen Preis. Laut einigen Herstellern sind LiFePo4 Batterien auf den gesamten Zeitraum der Nutzung günstiger als Bleibatterien, da sie eine sehr hohe Lebensdauer und eine hohe Stromabgabe haben. Verglichen mit anderen Batterien weisen sie zudem auch ein geringeres Gewicht auf. Lithium Batterien können nahezu bis zu 100% entladen werden, es kann also die volle Kapazität genutzt werden. Der größte Nachteil ist definitiv der hohe Preis, weswegen wir uns auch gegen diese Batterien entschieden haben.

Leitungsquerschnitt und Spannungsabfall

Hat man nun alle Komponenten ausgewählt und aufeinander abgestimmt, sollte man sich über die benötigten Leitungen und Verbinder informieren, um alle Bauteile miteinander zu verschalten.

Eine Stromleitung kann man sich in etwa wie einen Wasserschlauch vorstellen. Je mehr Wasser man transportieren möchte, desto dicker sollte der Schlauchdurchmesser sein. So ähnlich verhält sich eine Stromleitung auch, allerdings muss bei dieser noch der Spannungsabfall berücksichtigt werden. Schickt man zu viel Strom durch eine zu dünne Leitung erwärmt sich diese unzulässig stark und es kann zu einem Kabelbrand kommen. Daher sollte immer ein Mindestquerschnitt eingehalten werden, im Zweifelsfall lieber überdimensionieren.

Den benötigten Querschnitt kann man anhand dieser Formel errechnen:

A = 2⋅ l⋅ I / γ ⋅ Ua

Falls du diese Formeln zu kompliziert findest, kannst du auch einfach im Internet nach Tabellen für den Kabelquerschnitt suchen, diese kann man leicht ablesen. Im Zweifelsfall immer eine Nummer größer wählen, um auf der sicheren Seite zu sein. 

Neben dem Querschnitt muss auch noch der Spannungsabfall berücksichtigt werden. Denn Strom kann nicht einfach so durch ein 100 Meter langes Kabel geleitet werden, am Ende wird nur noch ganz wenig an kommen. So werden dann aus 12 Volt schnell nur noch 10 Volt und die Verbraucher wie zum Beispiel der Kühlschrank werden nicht mehr funktionieren. Daher muss der Leiterquerschnitt immer der Spannung, Stromstärke und der Länge angepasst werden.

A = ( I x 0,0175 x L x 2 ) / (fk x U)

  • I ist die maximale Stromstärke in Ampere
  • 0,0175 ist ist der spezifische Widerstand von Kupfer in Ohm x mm2 / m
  • L ist die Kabellänge
  • fk ist der Verlustfaktor, Beispiel: 1%, sind 0,01
  • U ist die Spannung

Wie lädt man die Batterien im Van?

Zum Schluss kann man sich noch Gedanken machen, wie man seine Versorgerbatterien wieder laden möchte. Die gängigsten Möglichkeiten dabei sind: Landstrom, Solaranlage und beim Fahren über die Lichtmaschine. Oft werden diese auch in Kombination miteinander verwendet. Wir laden unsere Batterien über die Solaranlage und über die Lichtmaschine. So werden unsere Batterien beim Fahren aufgeladen sowie auch kontinuirlich über die Sonne.

Landstrom

Ist man oft auf Campingplätzen unterwegs, kann man die Batterien über eine Steckdose und ein Batterieladegerät laden. Der Nachteil dabei ist natürlich, dass dies nur auf einem Campingplatz möglich ist, so entsteht natürlich auch eine gewisse Abhängigkeit. Da wir nur selten auf einem Campingplatz stehen werden, haben wir uns gegen diese Möglichkeit entschieden.

Solar

Um die Energie über eine Solaranlage zu beziehen und so die Batterien zu laden, benötigt man Solarzellen und einen Laderegler. Überschüssige Energie kann dabei auch direkt für die Verbraucher zur Verfügung gestellt werden, so dass man mit seinen Batterien sehr lange hin kommen kann. Vor allem wenn kontinuierlich laufende Geräte verbaut sind, macht es Sinn in eine Solaranlage zu investieren. Läuft ein Kühlschrank den ganzen Tag über, können die Batterien sofort wieder durch die Sonne nachgeladen werden und man hat mehr Kapazität für andere Verbraucher übrig. Wir haben uns für zwei 160W Solarpanele entschieden und kommen so auf 320W Solarpower. Unsere AGM Batterien werden mittels Sonnenenergie über den Ective DSC 25 MPPT Solarladeregler mit der für sie perfekten Ladekurve und Geschwindigkeit geladen.

Unsere Batterien laden wir über Sonnenenergie und beim Fahren über die Lichtmaschine

Beim Fahren über die Lichtmaschine

Mittels eines Trennrelais oder Ladeboosters können die Versorgerbatterien auch während der Fahrt nachgeladen werden. Ein Ladebooster empfiehlt sich entweder bei EURO6 Fahrzeugen mit intelligenter Lichtmaschine, da diese den Ladestrom während der Fahrt begrenzt und die Batterien ansonsten nicht richtig geladen werden. Außerdem verwendet ein Ladebooster spezielle Ladekurven, um etwa eine AGM oder Lithium Batterie optimal und schnellstmöglich laden zu können.

Votronic Ladebooster oben im Bild und Ective Solar Regler rechts zu sehen. Alles wurde mit MIDI Sicherungen abgesichert.

Bei älteren Fahrzeugen und wenn die Starterbatterie vom selben Typ ist wie die Versorgerbatterien (bspw. Batterie 1 -> AGM auf Batterie 2 -> AGM) , können diese über ein Trennrelais verbunden und während der Fahrt von der Lichtmaschine direkt geladen werden. 

Fazit zur Elektrik im Wohnmobil

Falls du dich mit Elektrik nicht auskennst, solltest du dir unbedingt von einem guten Freund oder von einem Fachmann Hilfe suchen. Denn schon die Wahl der Kabelquerschnitte kann über das Fortbestehen deines Vans entscheiden. Zu dünne Kabel bei hohem Strom oder falsch dimensionierte Sicherungen können zum Ausfall der gesamten Elektrik oder zum Kabelbrand führen.

Die für uns besten Komponenten zu finden hat seine Zeit und auch Erfahrung gebraucht, daher sollte man sich für die Elektrik beim Wohnmobil Selbstausbau zuerst einmal viele Informationen sammeln. Dies geschieht am einfachsten im Internet. Blogs lesen, Youtube Videos gucken, Camper Ausbau Bücher lesen sowie sich auf Ratgeber Seiten informieren. Mit unserem Aufbau sind wir nun in der Lage, mehrere Tage am Stück komplett autark zu stehen und meistens sind wir sowieso schon wieder auf dem Weg zu neuen Abenteuern, bevor die Batterien leer sind.

Außerdem haben wir hier noch ein Video erstellt, in dem wir unsere Elektrik im Van vorstellen und dir genau zeigen, was wir verbaut haben.

Wir hoffen dir mit diesem Beitrag einen Überblick über die Elektrik im Wohnmobil verschaffen zu können. Allerdings ist es nicht einfach solch ein komplexes Thema in nur einem Artikel zu behandeln. Es gibt schließlich ganze Bücher über die Planung und Ausführung der Stromversorgung. Wenn du noch eine Frage zur Elektrik im Wohnmobil hast, hinterlass uns einfach einen Kommentar und wir werden dir schnell darauf antworten!

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