Knapp ein Jahr haben wir in Kanada verbracht und Work and Travel gemacht. Deswegen möchten wir nun unsere Erfahrung zu einem Work and Travel Aufenthalt in Kanada weitergeben. Wir sind in Vancouver gelandet und haben die meiste Zeit in den Rocky Mountains verbracht, hier haben wir auch siebeneinhalb Monate gearbeitet. Wem ein Jahr in Kanada nicht reicht, kann mit dem Young Professional Visum ein zweites Jahr bleiben. Dies ist dann an einen Arbeitgeber gebunden und Ziel ist es, professionelle Arbeitserfahrung zu sammeln.

Work and Travel in Kanada – unser Erfahrungsbericht

Kanada ist neben Australien und Neuseeland eines der wenigen englischsprachigen Länder, in denen man mit einem Working Holiday Visum arbeiten und reisen kann. Nachdem wir zwei Jahre in Australien und ein Jahr in Neuseeland verbracht haben, blieb uns noch eine letzte Wahl: Kanada. In diesem Beitrag möchten wir davon berichten, was uns persönlich in Kanada gut gefallen hat und welche negativen Aspekte uns beim Work and Travel in Kanada aufgefallen sind. Falls du dich auch für Work and Travel in Australien interessierst, verlinken wir dir hier noch den passenden Beitrag über unsere Work and Travel Erfahrung in Australien.

Work and Travel in Kanada selber organisiert

Wir haben unseren Work and Travel Aufenthalt in Kanada selber organisiert, ohne eine Organisation. Wir empfehlen dir: nutze das Geld lieber für dein Abenteuer in Kanada. Das Schwierigste bei der Planung ist wohl die Beantragung des Visums. Das Working Holiday Visa Kontingent für Kanada ist nämlich begrenzt und das Verfahren für die Vergabe auch nicht ganz einfach. Seit dem Jahr 2016 wurde dieses Verfahren grundlegend geändert. Es zählt jetzt nicht mehr wer zuerst seine Bewerbungsunterlagen zum Vergabezeitpunkt abschickt, sondern die Visa werden quasi verlost! Die Verlosung passiert zufällig und es ist egal, ob man mit seinem Profil erst seit gestern oder schon seit Wochen in dem Bewerberpool ist.

Nutze das Geld lieber für dein Abenteuer in Kanada

Das Working Holiday Visa für Kanada bekommen

So lief es bei uns: wir hatten Glück und erst hat Tobi die Einladung bekommen und eine Woche später ich. Es ist also möglich, als Paar oder Freunde das Visum gemeinsam zu bekommen. Am besten “geht” man in den Bewerberpool, wenn dieser gerade öffnet. Dann ist noch die Mehrheit der Visa verfügbar und es sind noch nicht viele Bewerber in dem Pool. Normalerweise öffnet der Bewerberpool zwischen November und Januar, aber dies ist jedes Jahr unterschiedlich. Sobald man eine Einladung erhalten hat, hat man 10 Tage Zeit die Einladung zu bestätigen und weitere 20 Tage um die Visumsgebühren zu bezahlen sowie alle benötigten Informationen wie Polizeizeugnisse usw hochzuladen. Wir empfehlen dir, dich im Voraus genau zu informieren welche Unterlagen du hochladen musst. Wir mussten uns um drei Führungszeugnisse aus drei Ländern kümmern und diese haben einige Woche gedauert, bis sie endlich bei uns ankamen. In diesem Fall kann man ein Dokument hochladen, in welchem man bestätigt, dass man sich um die erfolderlichen Dokumente gekümmert hat und auf die Ankunft warten muss.

Jobs finden in Kanada

Kanada ist riesengroß und wir hatten zuallererst keine Ahnung, wo wir denn in Kanada arbeiten wollen. Wir wussten nur, dass wir nicht in einen Stadt wie etwa Vancouver arbeiten möchten. Also sind wir mit unserem gerade gekauften Campervan etwas planlos Richtung Rocky Mountains losgefahren. Wir haben zuvor gelesen, dass es in den Rocky Mountains viele Jobs in den Skigebieten gibt. Mit Anfang November waren wir dafür leider schon zu spät, die Jobs dafür werden bereits im Sommer oder Herbst vergeben. Da uns ein kanadischer Winter in den Bergen mit viel Schnee trotzdem sehr gereizt hat, wollten wir dennoch unser Glück versuchen und schauen, ob wir dort irgendeinen anderen Job finden. Auf Indeed und Craigslist haben wir uns im Voraus und auf der Fahrt dahin nach Jobs umgeschaut und Bewerbungen losgeschickt. Wie viele andere auch, sind wir in Banff gelandet und haben diese Entscheidung auf keinen Fall bereut. In Banff trifft man Backpacker aus aller Welt, die hier für eine Saison oder länger arbeiten. Tobi hat als Houseman in einem Hotel gearbeitet und ich in einer Tankstelle. Wir hatten beide einen Vollzeitjob, nur unsere Schichten haben nicht immer überein gestimmt. Während ich oft in der Frühschicht von 6 Uhr morgens bis 14:30 Uhr gearbeitet habe, hat Tobi meistens in der Spätschicht von 15 Uhr bis 23 Uhr gearbeitet. So kam es leider vor, dass wir uns teils tagelang nicht gesehen haben und darüber waren wir beide nicht glücklich. Später waren wir dann in der Lage, unserer Schichten anzupassen und haben so immerhin drei Tage in der Woche zu den gleichen Zeiten gearbeitet.

Imkes Arbeit in einer Tankstelle

Arbeiten in den Skiresorts in Kanada

Um in Kanada in einem Skigebiet zu arbeiten, muss man sich rechtzeitig darum kümmern. Die meisten Arbeitgeber suchen bereits im Sommer oder ab September zufünftige Mitarbeiter für die nächste Ski Saison. Dafür gibt es so sogenannte Hiring fairs. Am besten man geht dort persönlich mit seinen Bewerbungsunterlagen hin und bewirbt sich vor Ort. Falls das nicht geht, kann man sich auch über das Internet bewerben, zb auf der Homepage von dem jeweiligen Skigebiet. Dabei lohnt es sich genau zu recherchieren, welche Arbeitgeber es vor Ort gibt. Außer die großen Skigebiete in Banff, Lake Louise und Whistler gibt es außerdem noch viele kleinere Skigebiete, wie etwa Kicking Horse, Revelstoke, Big White, Sun Peaks oder Fernie. Mögliche Jobs in einem Skigebiet sind Lift Operator, Ski & Snowboard Lehrer, Rezeptionist oder Kellner. Bei den Arbeiten auf der Piste ist es natürlich von Vorteil, wenn man schon Erfahrung im Ski oder Snowboard fahren hat und weiß, wie ein Skilift funktioniert.

Wie schwer ist es, in Kanada einen Job zu finden?

Wir haben es als ziemlich leicht empfunden, in Kanada Arbeit zu finden. Sogar einfacher als in Australien oder Neuseeland. Natürlich können wir auch nur von unserer persönlichen Erfahrung in Banff sprechen, wo es üblich ist, dass Backpacker für eine Saison nach Kanada kommen um dort zu arbeiten. Wir haben gehört, dass es gerade in anderen Orten schwieriger ist Arbeit zu finden, in denen Backpacker nicht üblich so sind. Work and Travel ist in Kanada nicht so weit verbreitet wie in Australien oder in Neuseeland und das kann einem eventuell in manchen Gegenden auch von Nachteil werden. Falls du dich noch genauer für die Jobsuche in Banff interessierst, dann schau am besten mal in diesem Beitrag von uns vorbei.

Negative Erfahrungen mit Jobs in Kanada

Unsere Erfahrung mit Work and Travel Jobs in Kanada war durchaus positiv. Was uns allerdings aufgefallen ist: wenn man in Banff als Paar gemeinsam Arbeit sucht, kann es schwierig werden zusammen einen Job sowie eine Unterkunft zu finden. Wenn man in einer Mitarbeiterunterkunft gemeinsam leben möchte, müssen meistens auch beide bei dem Arbeitgeber angestellt sein. Für uns hieß es dann also: wir müssen uns eine eigene Wohnung suchen,- und die sind in Banff nicht so einfach. Während die staff accomodation nur 13$ am Tag pro Person gekostet hat, waren private Unterkünfte wesentlich teurer. Wir haben trotzdem eine gefunden und haben für ein Doppelzimmer in einer WG 1100$ im Monat bezahlt. Verglichen mit dem geringen Mindestlohn empfanden wir das als sehr teuer. Was uns leider auch nicht gefallen hat ist, dass unserer Meinung nach vor allem die jungen Australier zum Party machen nach Banff kommen und wenn man sich dann mit 19 jährigen Australiern (oder anderen Nationalitäten) die Wohnung teilen muss, kann das ziemlich nervig und unangenehm sein. Schließlich kann man sich meistens nicht aussuchen, mit wem man sich die Wohnung teilt. Das selbe lässt sich unseres Wissens nach auch über Whistler sagen.

Lebenshaltungskosten

Verglichen mit dem kanadischen Lohn haben wir die Lebenshaltungskosten als recht hoch empfunden. Natürlich kommt man auch nicht nur nach Kanada um viel Geld zu verdienen und zu sparen, aber sich etwas beiseite zu legen ist doch schön. Wir haben für Lebensmittel rund 10$ pro Person und Tag ausgegeben, also umgerchnet etwa 6.90€. Zusammen mit unserer teuren Miete von 1100$ im Monat blieb da oft nicht so viel Geld zum sparen übrig wie gewünscht. Allerdings ist Banff wohl auch nicht der richtige Ort zum Geld sparen, dafür sind die Mieten hier zu teuer. Wenn man aber eine wunderschöne Zeit in den verschneiten Bergen haben möchte und Ski,- oder Snowboard fahren (lernen) möchte, dann ist man hier genau richtig!

Wie viel verdient man beim Work and Travel Job in Kanada?

Das kommt ganz darauf an, in welchem Staat man sich befindet. In Alberta ist der Mindestlohn 15$* die Stunde, in British Columbia wiederum 13.85$*. Generell haben wir die Erfahrung gemacht, dass wirklich jeder Arbeitgeber nur den Mindestlohn bezahlt und keinen Cent mehr. Tobi hatte einmal eine Lohnerhöhung und hat dann 1$ mehr die Stunde bekommen, von 15$ auf 16$.

*(Stand Januar 2020)

Autokauf in Kanada

Seit fast fünf Jahren sind wir auf Weltreise und wann immer wir es können, leben und reisen wir im eigenen Van. Möchte man die komplette Schönheit des Landes genießen und an die entlegensten Orte gelangen, kommt man nicht darum herum, sich selbst ein Auto zuzulegen. Ein Van dient als kleines zu Hause und als Transportmittel. Perfekt, um möglichst viel von Kanada zu sehen. In diesem Beitrag schildern wir unsere Erfahrung zum Autokauf in Kanada und geben außerdem Tipps, wie man am besten einen Campervan findet. Wir sind mit unserem kanadischen Camper die gesamte Westküste der USA bis nach Las Vegas gefahren!

Unser kanadischer Camper vor der Golden Gate Bridge

Von der kanadischen Wildnis

Von Kanada hatten wir schon vor unserer Ankunft ein bestimmtes Bild im Kopf. Türkise Bergseen, schneebedeckte Berge und Gletscher. Und genauso sah es in Kanada auch aus. Allerdings nicht überall. In der Mitte Kanadas soll es eher flach und  recht “unspeaktakulär” sein. Deswegen sind wir froh, unsere Zeit in den kanadischen Rocky Mountains im Westen des Landes verbracht zu haben. Am besten hat es uns im Banff Nationalpark sowie im Jasper Nationalpark gefallen. Der Mount Robson, die Joffre Lakes und Vancouver Island waren ein weiteres Highlight für uns. In Kanada haben wir uns in die weitläufigen Landschaften und in die wunderschöne Wildnis verliebt. Kanada ist ein tolles Land zum Wandern und Campen und auch Bärensichtungen gehörten entlang des Icefields Parkway für uns fast täglich dazu.

Work and Travel in Kanada – Erfahrung & Fazit

Haben wir unseren Work and Travel Aufenthalt in Kanada bereut? Nein, das haben wir nicht! Wir finden, dass man bei einem Work and Travel Aufenthalt in Kanada eine richtig tolle Zeit haben kann. Eine Zeit, die einem prägt und die man nie vergessen wird. Auch wenn nicht immer alles einfach ist und man manchmal vielleicht sogar an allem zweifelt. Unsere Zeit in Kanada wird uns als unvergesslich in Erinnerung bleiben. Das Work and Travel Visum für Kanada bekommt man nur einmal im Leben. Also, worauf wartest du?

Falls du noch wissen möchtest, wie viel ein Roadtrip durch Kanada kostet, schau doch mal bei unserem Video vorbei:

4 Comments

  1. Hallo ihr zwei 🙂
    Euer Beitrag ist wirklich super informativ, vor allem wenn man sich mit work & travel noch so überhaupt gar nicht auskennt. Eure Erfahrungen hören sich wirklich toll an und ich muss mir auf jeden Fall noch eure Beiträge zu Australien und Neuseeland anschauen 🙂
    Viele Grüße, Saskia von http://www.chasingparadise.de

    • imke.liebau Reply

      Hallo Saskia,
      danke für deinen lieben Kommentar! 🙂 Work and Travel eignet sich super um eine Weltreise oder Langzeitreise zu finanzieren und man kann dabei noch viele interessante und internationale Erfahrungen sammeln. Wir freuen uns, wenn dir unsere Beiträge weiter helfen. Liebe Grüße aus Australien! 🙂

  2. Hallo! Danke für den Bericht und tolle Bilder. Die Natur ist wie immer wunderschön, ausgezeichnete Fotos.

    • imke.liebau Reply

      Hallo Bettina, danke für deinen Kommentar und das Lob!
      Viele Grüße aus Australien, Tobi und Imke 🙂

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